Partizipatorische Stadtteilentwicklung? Ein Versprechen oder konkrete Praxis?

img_2146-j-ii-pgMünzstraße Sept. 2015 

Partizipatorische Stadtentwicklung zwischen Anspruch und Praxis.
Unterschiedliche Sichtweisen auf und Erwartungen an Beteiligungsprozesse.
Am Beispiel der Neubebauung des Grundstück der ehemaligen Schule für Hörgeschädigte Schultzweg 9 (Schlüsselprojekt „Fördergebiet Münzviertel“ Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung) – und darüber hinaus

mit:

Dirk Kienscherf Stadtentwicklungspolitischer Sprecher
SPD Bürgerschaftsfraktion,
Prof. Bernd Kniess Urban Design HCU,
Maximilian Müller / Günter Westphal Stadtteilinitiative Münzviertel
Moderation: Katharina Schipkowski taz

am:

Dienstag 22.11.16 um 19.00 Uhr
Werkhaus Münzviertel Rosenallee 11 20097 Hamburg

Das Versprechen:

„Diese Allianz (Verwaltung, professionelle und zivilgesellschaftliche Akteure sowie Wirtschaft) basiert auf einer gemeinsamen Problembewertung, auf gemeinsam ausgehandelten Lösungsstrategien und Zielorientierungen. Sie beruht auf gemeinsamen Absprachen, Übereinkünften und Selbstbindungen zwischen den Beteiligten hinsichtlich Transparenz, Partizipation, Verantwortlichkeiten und kollektiver Entscheidungsfindung.“

aus: „Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE)“ Senats-Drucksache 19/3652 21.7.09 Seite 38:

Die Praxis?:

„Auch wenn es zu anderen Entscheidungen kommt, man ist mit den Bürgern trotzdem im Dialog. Daher ist das Thema RISE wichtig, um auch mitzubekommen welche Proteste es da gibt. Es ist nicht automatisch ableitbar, dass eine Entscheidung eines Quartiersbeirats bindend ist, Wir haben weitere Gelder bereitgestellt. Dann zu sagen, das wäre Verarsche, das stimmt nicht. Das ist ein Spannungsfeld, deswegen kam es zur Eskalation.” (Dirk Kienscherf 2016)

aus: „Squatting 2.0, Urbane Praktik zur Produktion von Wohn- und Möglichkeitsraum“,
Helena Hahn, Masterthesis des Studiengangs Urban Design an der HafenCity Universität,
2016 Seite 114

siehe hierzu:

„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“:
http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3728
„Partizipatorische Bürgerbeteiligung: Voll daneben!“:
http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3030
„Es gibt keine soziale Stadtplanung in Hamburg“:
http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3417
„Unser Entwurf: Wir können es besser“:
http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3523

Wir freuen uns über euer Dabeisein und Mitdiskutieren.

Mit besten Grüßen aus dem Münzviertel
Stadtteilinitiative Münzviertel

s. weiter: „Es wird kalt und leer im Münzviertel“
http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3632

Einladung: Probe # 4 „36 Monate WERKHAUS MÜNZVIERTEL“ 24.11.2016

„Diese »Bedeutung« der Kunst scheint mir nicht, wie die der spätbürgerlichen Bildungsreligion, an gesellschaftliche Sonderbedingungen gebunden, sondern die Erfahrung des Schönen, und insbesondere des Schönen im Sinne der Kunst, ist die Beschwörung einer möglichen heilen Ordnung, wo immer es sei.“ 

Hans–Georg Gadamer: Die Aktualität des Schönen, Stuttgart 1977

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Olivier Nourisson über seine Arbeit im Werkhaus Münzviertel

Zuerst ist da die Stadt, keine kleine Stadt, nee nee! Eine Großstadt, massiv,
imposant, mit Unmengen von Leuten … wir sind in Hamburg. Im Zentrum Hamburgs
liegt der Bahnhof, der Hauptbahnhof, um den sich alles zu drehen
scheint. Neben dem Hauptbahnhof gibt es ein Viertel, das von den
Bahnlinien und der Ringautobahn in die Zange genommen wird. In diesem kleinen
Viertel, im zweiten Stock eines Backsteingebäudes befindet sich das Werkhaus.
Dort bin ich an einem Tag im Frühling angekommen. Im Werkhaus gibt es ein Büro,
ein Atelier/eine Tischlerwerkstatt, ein Tonstudio, ein Zimmer mit einem Sofa und
einem Computer, einen Raum voll mit Pflanzen und künstlichem Licht sowie eine
Küche, wo der Tag scheinbar am achteckigen Tisch, vollgestellt mit
Kaffeekanne, Marmelade, Käse, Butter und Brötchen, beginnt. Hier sind wir! Im
Werkhaus kann jeder vorbeikommen, um einen Kaffee zu trinken, zu essen, zu
diskutieren, ein Problem mit der Verwaltung/dem Amt zu lösen oder in der
Werkstatt mit Künstlern zu arbeiten. Wegen der Werkstatt bin ich hier, denn ich
bin ein „Künstler“; nun, zumindest bezeichnet man mich als das und
hat mich in dieser Funktion eingeladen, sodass das stimmen sollte. Aber ein
Künstler hat Ideen, ein Projekt und spricht Englisch! Und ich habe keine Ideen,
kein Projekt und sprechen acht oder neun Wörter Englisch. Wie soll das gehen?
Wir sind rausgegangen und haben weggeworfenes Material gesammelt und all das zum
Werkhaus gebracht, wo wir es auf zwei Haufen gelagert haben. Ein Haufen in der
Tischlerwerkstatt und ein Haufen im Garten, um von einem zum anderen gehen zu
können – je nach Wetterlage. Wir haben damit begonnen das gefundene
Material in Stücke zu zerlegen und neu zusammenzufügen, wobei unser hin und her
von „here“, „come“, „take“, „yes“, „no“, „what is it ?“, „i do not“, „what do
you think“, „why not“ und auch „eins“, „zwei“, „drei“,
„ein Stück“, „ein kleines Stück “ begleitet wurde. Bei dieser
Beschäftigung haben wir undefinierbare Formen geschaffen, um herauszufinden, wo die Hohlräume und Vertiefungen wichtiger sind als das
Ausgefüllte und Fertige. Die Materialien sind von der Straße ins Werkhaus
gelangt und landen verwandelt in der Form und begleitet von den Fragen, die wir
uns über die heutige Bedeutung von Subjektivität und den eigenen Raum stellen,
wieder auf der Straße. Es gibt nicht viele Orte wie das Werkhaus, wo man die
Antwort „I do not know!“ auf die Frage „What is the plan today?“, akzeptiert.

Olivier Nourisson:  https://www.facebook.com/olivier.nourisson?fref=nf
August 2016

Donnerstag, den 24.11.16 um 18.00 Uhr im Werkhaus Münzviertel  Rosenallee 11

s. weiter: WERKHAUS TRACKS (Vol. I) Okt. 2015:
http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3089

„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“* oder die falschen Versprechen der Rot-Grünen Machteliten / Presseerklärung der Stadtteilinitiative Münzviertel zum LIG-Räumungstitel für die Räume in der ehemaligen KITA Norderstraße 65

img_0761-jpg-new-xvMünzstraße 6   August 2016

Igitt!!! Pfui!!! Schafft sie weg, die Schmuddelkinder, die Querdenker, die Ungezogenen:

„ … Aus Rache ist er reich geworden.
In der Oberstadt hat er sich ein Haus gebaut.
Nahm jeden Tag ein Bad.
Roch, wie bessre Leute riechen.
Lachte fett, wenn alle Ratten
ängstlich in die Gullys wichen,
weil sie ihn gerochen hatten. ….“*:

(s.: Polizeiüberfall 2.9.2015 / Sie fürchten unsere Poesie / Verhöhnen unsere Gemeinwesenarbeit / Appellieren an unsere Solidarität: „Winternotprogramm 2015/16“ Norderstrasse 65: http://www.muenzviertel.de/blog/?p=2953

Seit 2008 stellen wir im Rahmen des „Fördergebiet Münzviertel“ (RISE) den Verkauf des städtischen Schulgrundstücks am Schultzweg in unmittelbarer Nachbarschaft zum sozialen Brennpunkt Hamburger Hauptbahnhof an Privatinvestoren in Abrede: (s.: „Voll doof“: http://www.muenzviertel.de/blog/?p=1764) und erarbeiteten einen Gegenentwurf: (s.: „Wir können es besser“: http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3523). Wie klug und weitsichtig wir mit unserem sozial-städtebaulichen Entwurf sind zeigen die aktuellen Ereignisse um das Straßenkinder-Projekt „KIDS“ am Hauptbahnhof (s.: „Da passen keine Straßenkinder“, Junge Welt v.15.8.16: https://www.jungewelt.de/m/artikel/291754.da-passen-keine-straßenkinder.html

Zwei Tage nach dem 2. Polizeigroßeinsatz am KITA-Gebäude baten uns zur weiteren Eskalationsvermeidung SPD und Grüne Politiker*innen aus Bürgerschaft und Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, dass sich unser Quartiersträgerverein: „Kunstlabor naher Gegenden (KuNaGe) e.V.“ weiterhin als Mieter der zwischengemieteten Räume in der KITA zur Verfügung stellt, da die Finanzbehörde nicht bereit sei, einen Mietvertrag mit dem neugegründeten koZe e.V. für die vom kollektiven Zentrum genutzten Räume zu gewähren, wie dies von uns seit Beginn des Mietvertrags stets mit Nachdruck gefordert wurde.

Als Weiteres versprachen die Politiker*innen bis Mitte Herbst auszuloten, unter welchen finanziellen Konditionen es möglich sei, die für unsere gemeinwesenorientierten Stadtteilaktivitäten notwendigen 800 qm BGF im alten Schulgebäude Münzstraße 6 anzumieten (s.: „Münzviertel: Wir wollen eine Perspektive für die Stadtteilini“, Farid Müller v. 9.9.15 https://www.farid-mueller.de/2015/09/muenzviertel-wir-wollen-eine-perspektive-fuer-die-stadtteilini/), wie dies im Kaufvertrag zwischen Finanzbehörde und HBK vereinbart worden ist.

img_1521-iiStraßen“KIDS“ Demo Rathaus 16.9.16

Während KuNaGe e.V. sich an die Absprachen hielt und es zu keinen weiteren Polizeieinsätzen rund um das KITA-Gebäude kam, gibt es von den Seiten der Politiker*innen außer mehrere angekündigte Gesprächstermine, die stets kurzfristig durch das Fernbleiben des städtischen LIG platzten, bis zum heutigen Datum nur vage Andeutungen und unverbindliche Aussagen.

Im Gegenteil: Während KuNaGe e.V. es in den Wintermonaten durch sein Festhalten am Mietvertrag den Straßen“kids“ von oberhalb des Hauptbahnhofs und den zahlreichen Flüchtlingen auf ihren Zwischenstopp von Süden nach Norden ermöglichte, in den Räumen der KITA wettergeschützten Unterschlupf zu finden, kündigte das LIG dem KuNaGe e.V. ohne Absprache mit unseren politischen Gesprächspartnern den Zwischenmietvertrag zum 31.3.16: Für SPD und Grüne ist der Alleingang der Finanzbehörde ärgerlich. Die Fraktionen wurden nicht einmal über die Kündigung informiert!“ (s.: „Stadt schmeißt „KoZe“ raus – und verschickt saftige Stromrechnung“, mopo v. 10.3.16:  http://www.mopo.de/23703922)

Ein solches doppelzüngiges Verhalten der Rot-Grünen Machteliten ist verlogen und macht uns wütend: Vor Ort raspeln die Rot-Grünen Politiker*innen Süßholz, halten uns mit falschen Versprechungen bei der Stange während sie unter dem Motto: „Igitt!!! Schafft sie weg, die Schmuddelkinder, die Poeten, die Querdenker, die Obdachlosen“ oben in ihrem Senat-Elfenbeinturm durch entgegengesetztes Handeln ihre eigenen Versprechen ad absurdum führen (s.: „David und die Finanzbehörde“: http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3135).

Der nächste Winter steht vor der Tür. Die 160 Asylsuchenden Männer der Erstaufnahmeeinrichtungen Münzstr. 6 – 9 (s.: „Warum diese Heuchelei“: http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3144) haben die Container auf dem ehemaligen Schulgrundstück seit einem Monat verlassen, um Platz für die Einrichtung des diesjährigen Winternotprogramms ab 1.11.16. bis zum 31.3.17 zu machen.

img_6041-iiWinternotprogramm 2015/16 ehemaliges Schulgelände Münzstraße 6 – 9  img_2708-ii-jpgWinternotprogramm 2016/17 ehemaliges Schulgelände Münzstraße 6 – 9 1.11.16
Großer Andrang zum Start: https://www.hinzundkunzt.de/grosser-andrang-zum-start/

Und deshalb ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum die wettergeschützten Räume in dem KITA-Gebäude in direkter Nachbarschaft zu den Containern des Winternotprogramms für nicht voraussehbare Notlagen (wie z.B.: der im vergangenen Winter auf dem Hauptbahnhof unerwartete hohe Zwischenstopp von Menschen auf der Flucht) nicht bis zum Ende des Winternotprogramms Ende März 2017 genutzt werden können.

Leider ist es unserem Quartiersträgerverein KuNaGe e.V. aus finanziellen Gründen nicht möglich – denn wer aus der Oberstadt, dort wo die „bessre“ Leute wohnen, spielt schon gerne mit den Schmuddelkindern auf der anderen Seite der Bahngleise -, weiter juristisch gegen den Räumungstitel anzugehen. Mit heutigem Datum haben wir den Anwälten des LIG die Schüssel für die zwischengemieteten 70 qm großen Räume in der KITA übergeben.

In Harvestehude und Blankenese wehren sich Anwohner gegen Wohnungslose:

Anwohner verhindern Unterkünfte für Wohnungslose

Alles andere liegt jetzt in den Händen der Rot-Grünen Machteliten. Wir fordern diese auf, endlich menschlich zu handeln und trotz des Räumungstitels weiterhin die Winterwetter geschützten KITA-Räume für Notfälle bis zum 31.3.17 offen zuhalten. Für eine solche Kooperation stehen wir gerne mit unserem ästhetischen Wissen und sozialer Praxis, wie wir dieses seit drei Jahren erfolgreich mit dem Werkhaus Münzviertel (s.: http://www.werkhaus-muenzviertel.de/) unter Beweis stellen, zur Verfügung.

Stadtteilinitiative Münzviertel  31.10.16

* „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ Franz Josef Degenhart, 1965
https://www.youtube.com/watch?v=bGhJbr7DMmg

s. weiter: Es wird kalt und leer im Münzviertel: http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3632