Einladung: Probe # 4 „36 Monate WERKHAUS MÜNZVIERTEL“ 24.11.2016

„Diese »Bedeutung« der Kunst scheint mir nicht, wie die der spätbürgerlichen Bildungsreligion, an gesellschaftliche Sonderbedingungen gebunden, sondern die Erfahrung des Schönen, und insbesondere des Schönen im Sinne der Kunst, ist die Beschwörung einer möglichen heilen Ordnung, wo immer es sei.“ 

Hans–Georg Gadamer: Die Aktualität des Schönen, Stuttgart 1977

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Olivier Nourisson über seine Arbeit im Werkhaus Münzviertel

Zuerst ist da die Stadt, keine kleine Stadt, nee nee! Eine Großstadt, massiv,
imposant, mit Unmengen von Leuten … wir sind in Hamburg. Im Zentrum Hamburgs
liegt der Bahnhof, der Hauptbahnhof, um den sich alles zu drehen
scheint. Neben dem Hauptbahnhof gibt es ein Viertel, das von den
Bahnlinien und der Ringautobahn in die Zange genommen wird. In diesem kleinen
Viertel, im zweiten Stock eines Backsteingebäudes befindet sich das Werkhaus.
Dort bin ich an einem Tag im Frühling angekommen. Im Werkhaus gibt es ein Büro,
ein Atelier/eine Tischlerwerkstatt, ein Tonstudio, ein Zimmer mit einem Sofa und
einem Computer, einen Raum voll mit Pflanzen und künstlichem Licht sowie eine
Küche, wo der Tag scheinbar am achteckigen Tisch, vollgestellt mit
Kaffeekanne, Marmelade, Käse, Butter und Brötchen, beginnt. Hier sind wir! Im
Werkhaus kann jeder vorbeikommen, um einen Kaffee zu trinken, zu essen, zu
diskutieren, ein Problem mit der Verwaltung/dem Amt zu lösen oder in der
Werkstatt mit Künstlern zu arbeiten. Wegen der Werkstatt bin ich hier, denn ich
bin ein „Künstler“; nun, zumindest bezeichnet man mich als das und
hat mich in dieser Funktion eingeladen, sodass das stimmen sollte. Aber ein
Künstler hat Ideen, ein Projekt und spricht Englisch! Und ich habe keine Ideen,
kein Projekt und sprechen acht oder neun Wörter Englisch. Wie soll das gehen?
Wir sind rausgegangen und haben weggeworfenes Material gesammelt und all das zum
Werkhaus gebracht, wo wir es auf zwei Haufen gelagert haben. Ein Haufen in der
Tischlerwerkstatt und ein Haufen im Garten, um von einem zum anderen gehen zu
können – je nach Wetterlage. Wir haben damit begonnen das gefundene
Material in Stücke zu zerlegen und neu zusammenzufügen, wobei unser hin und her
von „here“, „come“, „take“, „yes“, „no“, „what is it ?“, „i do not“, „what do
you think“, „why not“ und auch „eins“, „zwei“, „drei“,
„ein Stück“, „ein kleines Stück “ begleitet wurde. Bei dieser
Beschäftigung haben wir undefinierbare Formen geschaffen, um herauszufinden, wo die Hohlräume und Vertiefungen wichtiger sind als das
Ausgefüllte und Fertige. Die Materialien sind von der Straße ins Werkhaus
gelangt und landen verwandelt in der Form und begleitet von den Fragen, die wir
uns über die heutige Bedeutung von Subjektivität und den eigenen Raum stellen,
wieder auf der Straße. Es gibt nicht viele Orte wie das Werkhaus, wo man die
Antwort „I do not know!“ auf die Frage „What is the plan today?“, akzeptiert.

Olivier Nourisson:  https://www.facebook.com/olivier.nourisson?fref=nf
August 2016

Donnerstag, den 24.11.16 um 18.00 Uhr im Werkhaus Münzviertel  Rosenallee 11

s. weiter: WERKHAUS TRACKS (Vol. I) Okt. 2015:
http://www.muenzviertel.de/blog/?p=3089

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