Willkommen im Club oder der Anfang vom Ende? Viva con Agua im Münzviertel. 12.7.21

Werkhaus: Viva con Agua  4. Sept. 2020

Zwei Jahre haben wir geschwiegen. Geschwiegen über das bevorstehende Bauvorhaben von Viva con Agua, ihre Geschäftsstelle einschl. Zimmer zum Übernachten für ihre zahlreichen Gäste aus aller Welt von St.Pauli ins Münzviertel zu verlegen. Als Argument für das Schweigen führte Viva con Agua die Vermeidung eines zu früh geführten öffentlichen Diskurs auf St.Pauli und anderswo über ihren Umzug an. Viva con Agua wollte die Eröffnung des Diskurs über ihren Umzug selbst bestimmen. 

Münzgarten: Viva con Agua  18. Sept. 2020

Wir haben uns darangehalten, zumal Viva con Agua ankündigte, die erste öffentliche Präsentation ihres Bauvorhabens im Rahmen einer Pressekonferenz im Werkhaus Münzviertel: www.werkhaus-muenzviertel.de/ abzuhalten. Eine solche Geste der Demut gegenüber unsere über fast 2 Jahrzehnte hinweg gemeinwohlorientierten Stadtteilaktivitäten, welche getragen werden von Empathie, Solidarität und Toleranz mit und gegenüber den anderen, bestärkte bei uns den Eindruck, dass das Viva con Agua Selbstverständnis mit dem unseren übereinstimmt. Ein nachbarschaftliches Miteinander auf gleicher Augenhöhe untereinander. 

Zitiert aus Viva con Agua „Vision und Werte“: 

„Zusammenarbeit ist für uns ein Erfolgsmodell, denn damit schaffen wir eine nachhaltige, stabile Grundlage für gesellschaftlichen Wandel. Für uns sind Verbindung und Vernetzung wertvoll. Wir sind davon überzeugt, dass aus Kooperationen Win-Win Situationen entstehen und Netzwerke zu Synergien führen. Wir sind eine familiäre Community, sinnstiftende Gemeinschaft und Plattform für soziales Engagement auf der jeder Beitrag zählt. Wir fühlen uns in der Viva con Agua Community aufgehoben, verbunden und geborgen. Jede*r kann mitmachen“ 

Es kam anders. Corona bedingt. Die Pressekonferenz fand dann in einem Zirkuszelt unter dem Motto: „Zirkus der Zukunft. Villa Viva – ein Haus, das Brunnen baut“ auf dem Baugrundstück statt. Auch ohne die Corona-Beschränkungen wäre es im Werkhaus für die ca. 100 bis 150 Gäste zu eng geworden. Um das zu ermöglichen, hätte es ein anderes Herangehen seitens Viva con Agua geben müssen wie z.B.: Presse (Werkhaus) getrennt Abendveranstaltung (Schultzweg). Sehr schade.

Hamburger Abendblatt 13. Juli 2021

Doch lassen wir dieses vorerst einmal so stehen, gemeinsam mit der Feststellung, dass aus den vormals angekündigten Zimmer zum Übernachten aktuell ein Hotelbetrieb mit dem wohlklingenden Namen „Gasthaus“ (1) geworden ist.  Die Nagelprobe eines neuen, nachbarschaftlichen Miteinanders steht uns ganz aktuell bevor, wenn es um die Neubebauung des letzten städtischen Grundstück (ehemaliges Hillgruber Grundstück) im Viertel, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Viva con Agua Grundstück geht. 

Hillgruber Hochhaus Spaldingstr. 2a 15. Mai 2015

Seit 2014 die Entscheidung fiel, statt nicht wie vorgesehen dort das neue Bezirksamt HH-Mitte zu bauen, forderten wir im Rahmen des „Fördergebiet Münzviertel (RISE)“ die Stadtpolitik auf, mit uns gemeinsam eine sozial ausgerichtete Neubebauung des Grundstücks partizipatorisch auf den Weg zu bringen (2).  

Sitzungssaal Bezirksversammlung HH-Mitte 30. Juli 2020

Nach jahrelangen vergeblichen Nachfragen erfuhren wir letztes Jahr (3), dass der Senat das Grundstück kurzerhand, hinter unserem Rücken zum übergeordneten Wirtschaftsförderungsfall erklärte und uns somit jegliche Mitsprache verweigert. Dagegen wehren wir uns entschieden und setzen dabei auf die Solidarität unserer neuen Nachbarn. Und hier kann er beginnen, der Anfang vom Ende.

Villa Viva Schultzweg 4 12. Juli 2021

Obwohl der Finanzsenator am 11.7. voller Stolz verkündigte, dass sich mit dem billigen Verkauf des Grundstücks an Viva con Agua belegen lässt, dass die hanseatische Pfeffersäcke-Mentalität (4) nicht im Gegensatz zum Gemeinwohl stehe, befürchten wir aus jahrelanger Erfahrung, dass bei dem bevorstehenden Verkauf des ehemaligen Hillgruber Grundstücks die Pfeffersäcke-Mentalität des Senats wieder ihren Durchbruch erfährt wie z.B. durch das Instrument: Wirtschaftsförderungsfall. Wir sind gespannt auf die Haltung von Viva con Agua. Willkommen im gallischem Dorf (5).

Stadtteilinitiative Münzviertel

(1) „Zwischenstand II: Unterschriftensammlung „Hotels: nein! Anwohnerparken: ja!“ Übergabe Bezirksversammlung 20.06.2019“: https://www.muenzviertel.de/zwischenstand-ii-unterschriftensammlung-hotels-nein-anwohnerparken-ja-uebergabe-bezirksversammlung-20-06-2019/

(2) „Stadtteilentwicklung von unten – Das Münzviertel plant selber!“: https://www.muenzviertel.de/stadtteilentwicklung-von-unten-das-muenzviertel-plant-selber/

(3) „Es ist dem Münzviertel nicht mehr zuzumuten, hier noch weitere Sozialprojekte anzusiedeln“: Michael Mathe, Leiter des Fachamts Stadt- und Landschaftsplanung Bezirksamt HH-Mitte berichtet über Neuplanungen und Bauvorhaben im Münzviertel: 72. Sitzung Quartiersbeirat Münzviertel“: https://www.muenzviertel.de/es-ist-dem-muenzviertel-nicht-mehr-zuzumuten-hier-noch-weitere-sozialprojekte-anzusiedeln-michael-mathe-leiter-des-fachamts-stadt-und-landschaftsplanung-bezirksamt-hh-mitte-beric/

(4) „Abriss City-Hof: Wider die Backsteinwurst oder: Die NS-Zeit nur ein „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“?*“: https://www.muenzviertel.de/wider-die-backsteinwurst-oder-die-ns-zeit-nur-ein-vogelschiss-in-der-deutschen-geschichte/

(5) „Wir malen keine Bilder. Wir machen Stadtgestaltung „von unten“ oder: „Die Kunst ist das Erste“ Stadtteilinitiative Münzviertel“: https://www.muenzviertel.de/wir-malen-keine-bilder-wir-machen-stadtentwicklung-von-unten-oder-die-kunst-ist-das-erste-stadtteilinitiative-muenzviertel/

Lasst unsere Spatzen leben !!! Münzstraße 19. Mai 2021

Münzstraße 19.5.2021

https://www.facebook.com/gunter.westphal.7/videos/4041600425906123/

Hallo liebe Sophia, 

vielen Dank für Deine wunderschönen Zeichnungen. Diese erinnern uns daran, bei der Bezirkspolitik Hamburg-Mitte nachzufragen, ob die Erhaltung der Spatzenkolonie wie beschlossen in der Bau-Genehmigung für die Neubebauung des ehemaligen Schulgrundstücks festgeschrieben wurde und wie diese konkret umgesetzt werden soll. 

Wir sind gespannt auf die Antworten und werden diese nach Erhalt neben deine Zeichnungen an den Bauzaun aufhängen.

Nochmals lieben Dank für Deinen wichtigen Aufruf. 

Mit herzlichen nachbarschaftlichen Grüßen
Stadtteilinitiative Münzviertel

Ausschusssitzung v. 28.01.2020

Verlassen und verfallen: Was steckt hinter diesem „Lost Place“ mitten in Hamburg? Schreibt Thomas Hirschbiegel in der Mopo am 5.4.21 / Und mehr wissen wir auch nicht!

Foto: Florian Quandt 

Hammerbrook – Tausende Hamburger Autofahrer stehen täglich vor den roten Ampeln im Bereich Spaldingstraße/Repsoldstraße/Amsinckstraße. Ihr Blick fällt dann oft auf ein verwahrlostes Grundstück mit heruntergekommenen Bauten und Ruinen. Was steckt hinter dem „Lost Place“ mitten in der Stadt? 

Die genaue Adresse ist Spaldingstraße 63, doch das große Grundstück grenzt auf der Rückseite an die Rosenallee – hier verrottet das Haus mit der Nummer 22. In dem massiven Backsteinbau befand sich früher einmal eine „City Pension“, die offenbar von einer Frau Turan betrieben wurde. 

Ali Turan wiederum hatte auf dem Grundstück zur Spaldingstraße einen Autohandel. Angeschlossen an den Betrieb war laut den Schildern, die dort noch zu lesen sind, eine „Motor-Instandsetzung“ 

Spaldingstr. 63 25.11.20 Foto: Günter Westphal

„Lost Place“ in Hamburg: Ruinen liegen im Münzviertel 

Der leerstehende Komplex liegt im Herzen des „Münzviertels“, eines kleinen Quartiers direkt an der Bahnlinie zwischen Hühnerposten, Münzplatz und Rosenallee. Es ist nach der „Hamburgischen Münze“ benannt: Die bereits 834 gegründete Prägeanstalt ist Deutschlands älteste Münze und hatte bis 1982 ihren Sitz dort. Heute befindet sie sich an der Straße Bei der neuen Münze in Rahlstedt. Aber das nur nebenbei. 

Spurensuche auf dem Areal des „Lost Place“: Eine Nähmaschine der Marke „Singer“ steht dort neben einem Paar Schuhe und rottet vor sich hin. Auf der Rosenallee spazieren wir an einem Backstein-Gebäude mit der Aufschrift „Volksschule von 1883“ vorbei. 

https://www.muenzviertel.de/werkhaus/stolpersteine-rosenallee-11/

Auf dem Gehweg sind zwei „Stolpersteine“. Sie erinnern an die jüdischen Lehrerinnen Bella Spanier (1884- 1942) und Recha Lübke (1880-1942), die von den Nazis deportiert und ermordet wurden. 

„Lost Place“ in Hamburg: Hotel-Pläne offenbar gescheitert 

Nebenan befindet sich eine Tischlerei. Der nette Meister erzählt, es habe Pläne gegeben, auf dem verlassenen Grundstück ein Hotel zu bauen. Architekten und Bauherren seien vor Jahren vor Ort gewesen – doch passiert ist nichts. Aktuell ist ja auch keine gute Zeit für Hotels. Das „Hotel Belmondo“ in der Spaldingstraße 70 gegenüber dem „Lost Place“ jedenfalls ist schon mit Brettern vernagelt. 

Eine Anfrage beim Bezirksamt Mitte, ob irgendwelche Bau- oder Abrissanträge für das Grundstück Spaldingstraße 63 vorliegen, verläuft auch negativ. Sieht fast so aus, als würde das verlassene Areal noch einige Zeit ein „Lost Place“ bleiben. 

Text: Thomas Hirschbiegel: https://www.mopo.de/hamburg/verlassen-und-verfallen-was-steckt-hinter-diesem–lost-place–mitten-in-hamburg–38247482

Mehr wissen wir auch nicht:

Aktueller Projektstand und Zeitschiene 

  • Erste Gespräche zwischen Bezirksamt, Eigentümer und Architekt zur Nachnutzung des Gesamtareals 
  • Wohnnutzung aufgrund von Lärm- und Schallexposition (Gleisfeld im Norden, Magistrale im Süden) nicht möglich 
  • Eigentümer verfolgt bebauungsplankonforme Kerngebietsnutzung (MK) 

•  Das Verfahren ist noch in der Vorbereitung. Eine Vorstellung des Projekts im Beirat ist denkbar

„… Mit Bezug auf das Vorhaben Nr. 9 Rosenallee/Spaldingstraße weist Herr Müller darauf hin, dass die Höhen eingehalten werden müssten. Der Baukörper müsse in Richtung Rosenallee abgestaffelt sein. Herr Mathe bestätigt, dass die Einhaltung des B-Plans maßgeblich sei. 

Herr Mathe nimmt die Hinweise aus dem Beirat mit. Zu den Forderungen schränkt er ein, dass eine Beurteilung der jeweiligen Bauvorhaben immer im Kontext des gültigen Bauordnungs- und Planungsrechts erfolgen müsse. Einen qualifizierten Bebauungsplan könne das Bezirksamt nicht übergehen. ….“

aus: Quartiersbeirat Münzviertel, Protokoll der 72. Sitzung am 30.7.2020 

Und dieses wollen wir nicht:

Entwurf Hotelbau Spaldingstr. 63: im Netz gefunden 2015

Und deshalb: „Wir malen keine Bilder. Wir machen Stadtgestaltung „von unten“ oder: „Die Kunst ist das Erste“ Stadtteilinitiative Münzviertel“: https://www.muenzviertel.de/wir-malen-keine-bilder-wir-machen-stadtentwicklung-von-unten-oder-die-kunst-ist-das-erste-stadtteilinitiative-muenzviertel/

Stadtteilinitiative Münzviertel

Neubebauung ehemalige Hillgruber Grundstücke Spaldingstrasse – Stadtteilentwicklung von unten – Das Münzviertel plant selber! FSK 31. März 2021

Ausschnitt 1:24 lang

Münzstrasse 4. Dezember 20.21

Wir tanzen den neuen Morgen!: https://vimeo.com/498912390

Foto: Norderstraße   27. August 20.15

“Wir sagen, stark Olaf” Kundgebung: „Die Viertel denen, die drin leben! Münzplatz 7.9.2017“: https://www.muenzviertel.de/wir-sagen-stark-olaf-kundgebung-die-viertel-denen-die-drin-leben-muenzplatz-7-9-2017/

Schultzweg 2 2.Juni 2018

„MIETENmove 02.06.2018 Demo-Rede: Stadtteilinitiative Münzviertel“: https://www.muenzviertel.de/mietenmove-02-06-2018-demo-rede-stadtteilinitiative-muenzviertel/

Schultzweg 2 25.März 2021

https://www.facebook.com/hashtag/fleckofshame

KEINE PROFITE mit BODEN & MIETE!

Skandalmieten am Neuen Hühnerposten: Mikro-Apartments für EUR 45/m2 auf ehemals städtischem Grund!:

https://www.mieterverein hamburg.de/export/sites/default/.content/dokumente/Pressemitteilungen/VolksiniHuehnerposten.pdf?fbclid=IwAR0yPCfAIUR3F2hJJZX_MQ4iPCeSvl8-JmNviAOUarnqHGju53zero8FkDc